Archiv

Constantin Luser

Bandoneon Intensivstation — Vom Soundkubus zum oktagonalen Oktavton

2.2.– 31.3.12

Bekannt wurde der österreichische Künstler Constantin Luser (*1976, Graz) durch seine groß- und kleinformatigen Zeichnungen mit Fineliner, die er oft in Parallel-Lineaturen ausführt und häufig direkt auf die Wand des Ausstellungsraumes aufträgt. Der Gebrauch dieses Werkzeugs erlaubt Luser, der auch ausgebildeter Industriedesigner ist, eine präzise Definierung des Strichs. Seine Zeichnungen zeigen komplexe Gedankenlandschaften, Figuren, Gegenstände, abstrakte Muster, rätselhafte Chiffren und Symbole. In ihrer Verbindung von Wort und Bild nehmen sie Bezug auf Schaubilder technischer Zeichnungen der Computergrafik, von Datenprotokollen und Buchillustrationen. Gleichzeitig sind sie mediales Instrument von Wahrnehmung, Abspeicherung und Aufzeichnung des Verhältnisses zwischen dem Künstler und seiner Umwelt.

Mittlerweile hat Luser seine künstlerische Bildfindung durch Collagen, Videos und skulpturale Arbeiten erweitert.
Bei Junge Kunst steht eine solche Skulptur im Zentrum der Ausstellung »Bandoneon Intensivstation – Vom Soundkubus zum oktagonalen Oktavton«. Wie der Titel vermuten lässt, spielt darin Musik eine wesentliche Rolle. Luser inszeniert acht Bandoneons, die er oktogonal um eine zentrale Luftversorgung anordnet, so dass eine Polyphonie der alten Musikinstrumente erzeugt wird. Luser fasziniert nicht nur die Verbindung von immateriellem Klang mit der festen Materie der Skulptur, sondern auch die außerordentliche Geschichte dieses Kulturguts. Das Bandoneon wurde bereits im 19. Jahrhundert in Deutschland entwickelt und um 1900 in Südamerika, vor allem in Argentinien, populär. Trotz des Bandoneonspielverbots 1935 und der Enteignung der Produktionsfabrik durch die Nazis, ist der einzigartige Klang des Bandoneons durch den argentinischen Tango erhalten geblieben.

Begleitet wird diese Skulptur durch die sogenannten Conversationscollagen, die aus Motivvorlagen der 8. Auflage des wissenschaftlichen Kompendiums Meyers Lexikon aus dem dritten Reich (1936—42) zusammengesetzt sind, die Luser zum Teil mit Zeichnungsfragmenten kombiniert. Auch für das Video Das Rote Seil, welches in Zusammenarbeit mit Stefan Arztmann entstand, bedient sich Luser dieses Fundusʼ und setzt die Illustrationen in animierter Form in einen neuen Kontext. Themen wie Menschheit, Natur, Kultur, Wissenschaft und Technik verknüpft Constantin Luser so in den unterschiedlichen Medien und macht sie visuell und akustisch für den Betrachter erfahrbar.

Constantin Luser lebt in Wien. Er studierte Industriedesign in Graz und Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste, Wien und der dortigen Universität für Angewandte Kunst.